Wenn ich eine Zugverbindung nachträglich ändere, würde ich inzwischen immer auch die Reservierung separat prüfen. Dass das Ticket jetzt für eine andere Verbindung passt, bedeutet nicht automatisch, dass mein Sitzplatz dieselbe Reiseplanung mitgemacht hat. Zwei Buchungen können erstaunlich ähnlich aussehen und trotzdem unabhängig voneinander leben.
Ich reserviere Sitzplätze hauptsächlich, damit ich mich nicht zwei Stunden lang fragen muss, wo ich gleich sitze.
Dafür bekomme ich dann manchmal eine neue Aufgabe: einem fremden Menschen erklären, dass er auf meinem Platz sitzt.
Besonders schön, wenn der Zug voll ist und die Person schon Laptop, Jacke und halben Hausstand ausgepackt hat.
Rational völlig klar: Das ist mein Platz.
Emotional fühle ich mich trotzdem kurz, als würde ich jemanden aus seiner Wohnung werfen.
Wenn am Sitz nichts angezeigt wird, aber jemand wenige Minuten später mit einer Reservierung für genau diesen Platz kommt, beginnt eine unnötige Beweisaufnahme.
Eigentlich sollte ein Sitzplatzsystem vor allem eine Frage eindeutig beantworten: Ist dieser Platz frei oder nicht?
Wenn ich mit mehreren Leuten fahre, wäre mir ehrlich gesagt wichtiger, dass wir zusammen sitzen, als ob mein eigener Platz am Fenster oder am Gang ist.
Vier gültige Reservierungen in drei verschiedenen Wagen lösen das Sitzplatzproblem technisch. Die gemeinsame Zugfahrt eher weniger.
ICE geändert.
App meldet neuen Sitzplatz.
Gut.
Jetzt nur nicht aus Gewohnheit trotzdem zu Wagen 7, Platz 42 laufen.
Automatisierung hilft am meisten, wenn man ihre Nachricht auch liest.
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