Ich habe überhaupt nichts gegen einen guten Obstkorb im Büro. Ich würde wahrscheinlich jeden Tag etwas davon essen.
Er wird für mich nur merkwürdig, wenn er in einer Stellenanzeige auf derselben Ebene steht wie Gehalt, Homeoffice oder Urlaub.
Banane: gern.
Gehaltsargument: eher nicht.
F
feierabend
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vier bewerbungsgespräche für eine normale stelle
Ich habe nichts gegen zwei oder auch drei Gespräche, wenn jedes davon wirklich etwas Neues klärt.
Merkwürdig wird es, wenn man vier verschiedenen Personen denselben Lebenslauf erklärt und jedes Gespräch wieder bei „Erzählen Sie doch mal etwas über sich“ beginnt.
Dann prüft nicht nur die Firma den Bewerber. Der Prozess erklärt auch ziemlich viel über die Firma.
duzen oder siezen
Im Team sind alle per Du. Zehn Minuten später beginnt die Kundenmail mit „Sehr geehrte Frau …“. Das wirkt nur von außen widersprüchlich. Unterschiedliche Beziehungen können im selben Unternehmen problemlos unterschiedliche sprachliche Abstände haben.
zwei stunden arbeitsweg am tag
Beim langen Pendeln verschwinden nicht nur zwei Stunden vom Tag.
Auch die Dinge danach werden schwieriger: Sportkurs um 18 Uhr, spontan jemanden treffen, noch einkaufen, einen Termin wahrnehmen.
Eine Stunde Heimweg kann dafür sorgen, dass ein normaler Arbeitstag sich schon wie der komplette Tagesplan anfühlt.
ki als kollege
Wenn ein Entwurf nur noch fünf Minuten statt einer Stunde dauert, können plötzlich sehr viele Entwürfe entstehen.
Die Menschen, die sie prüfen und entscheiden müssen, sind dadurch aber nicht automatisch schneller geworden.
KI kann einen Engpass lösen und gleichzeitig den nächsten sichtbarer machen.
wenn kollegen die einzigen neuen freunde werden
Mit Kollegen befreundet zu sein finde ich unkompliziert, bis einer plötzlich der Vorgesetzte des anderen wird.
Man kann sich immer noch mögen.
Trotzdem bekommt ein Gespräch über Gehalt, Leistung oder Urlaub eine Ebene dazu, die beim gemeinsamen Bier vorher nicht existiert hat.
nach der arbeit keine energie mehr für menschen
Acht Stunden Arbeit fühlen sich nicht jeden Tag gleich an.
Nach einem Tag, an dem man hauptsächlich allein an etwas gearbeitet hat, kann abends noch problemlos ein Gespräch gehen. Nach sechs Meetings und drei spontanen „Hast du kurz?“-Situationen kann derselbe Abend deutlich voller wirken.
Die Uhrzeit ist gleich. Die soziale Batterie nicht.
homeoffice in der stellenanzeige und im gespräch plötzlich doch nicht
Wenn auf der Karriereseite groß „flexibles Arbeiten“ steht, würde ich inzwischen trotzdem nach der konkreten Stelle fragen. Eine allgemeine Firmenregel kann anders aussehen als der Alltag in genau diesem Bereich. Mich interessiert am Ende weniger die Employer-Branding-Seite als mein tatsächlicher Dienstag.
das erste richtige gehalt und trotzdem kein geld
Erstes volles Gehalt:
endlich erwachsen.
Zwei Wochen später:
warum kostet Waschmittel eigentlich Geld?
gehaltsangaben in stellenanzeigen
Bei einer Spanne von 40.000 bis 90.000 Euro weiß ich am Ende fast genauso viel wie vorher.
Interessant wird die Angabe für mich erst, wenn halbwegs klar ist, für welches Erfahrungsniveau welcher Teil des Bands gedacht ist.
wenn man freunde nur noch alle drei monate sieht
Das Problem sind bei uns inzwischen weniger die drei Monate.
Das Problem ist, dass wir bei jedem Treffen sagen: „Diesmal warten wir aber nicht wieder so lange.“
Tun wir natürlich.
Seit ungefähr zwei Jahren.
fachkräftemangel und trotzdem zehn anforderungen für juniorstellen
Bei Juniorstellen würde ich erwarten, dass ein Teil des Jobs darin besteht, Dinge erst im Job wirklich zu lernen.
Irgendwo müssen die zwei Jahre Erfahrung schließlich anfangen, die in der nächsten Stellenanzeige verlangt werden.
Wenn niemand Anfänger einstellen möchte, wird Berufserfahrung zu einer ziemlich interessanten Zugangsvoraussetzung.
zurück ins büro obwohl homeoffice funktioniert
Ich gehe sogar gern ab und zu ins Büro. Manche Sachen klärt man dort tatsächlich schneller, Mittagessen mit Kollegen ist nett und nach drei Tagen allein zu Hause freue ich mich manchmal auch auf Menschen.
Was ich nicht verstehe, ist, daraus eine Pflicht zu machen.
Wenn ich morgens 45 Minuten hinfahre, im Büro acht Stunden fast nur in Teams-Calls sitze und danach 45 Minuten zurückfahre, hat niemand besser zusammengearbeitet. Ich war einfach nur woanders.
eine bezahlbare wohnung und zwei stunden arbeitsweg
Zwei Stunden Pendeln bedeuten nicht nur zwei Stunden weniger Freizeit. Sie verschieben auch Einkauf, Sport, Arzttermin und die Frage, ob man nach der Arbeit noch jemanden trifft. Aus acht Stunden Arbeit werden im Alltag schnell zehn Stunden, in denen man nicht wirklich zu Hause ist.
eine nachricht lesen und tage später antworten
Ich lese eine Nachricht, denke „darauf antworte ich gleich in Ruhe“ und damit beginnt zuverlässig das Problem.
Zwei Tage später sehe ich den Chat wieder und jetzt brauche ich zusätzlich noch eine Erklärung dafür, warum ich zwei Tage nicht geantwortet habe.
Aus einer 20-Sekunden-Antwort wird so ein kleines soziales Projekt.