Wenn ein Entwurf nur noch fünf Minuten statt einer Stunde dauert, können plötzlich sehr viele Entwürfe entstehen.
Die Menschen, die sie prüfen und entscheiden müssen, sind dadurch aber nicht automatisch schneller geworden.
KI kann einen Engpass lösen und gleichzeitig den nächsten sichtbarer machen.
Seit wir KI-Tools im Unternehmen haben, bekomme ich deutlich mehr Texte, die formal völlig okay und trotzdem irgendwie leer sind.
Früher hat jemand für eine interne Mail drei Sätze geschrieben.
Heute sind es sieben Absätze mit „im Rahmen“, „ganzheitlich“ und „Mehrwert“.
Ich glaube, KI spart uns beim Schreiben Zeit und nimmt sie beim Lesen teilweise wieder zurück.
Vielleicht müssen wir erst noch lernen, nicht alles zu verschicken, nur weil es sich jetzt leicht produzieren lässt.
Ein klassischer Prozess soll morgen möglichst dasselbe tun wie heute.
Bei einem KI-basierten Prozess kann sich das Verhalten verändern, obwohl intern niemand den eigenen Prompt angefasst hat.
Wenn ein Ergebnis geschäftlich wichtig ist, wird deshalb irgendwann auch relevant, welches Modell und welche Version eigentlich gearbeitet haben.
„Frag doch die KI“ ist im Unternehmen nur die halbe Anleitung.
Die andere Hälfte lautet:
Welche KI?
Mit welchen Daten?
Über welchen Firmenzugang?
Was darf dort überhaupt rein?
Produktivität beginnt überraschend oft mit einer Berechtigungsfrage.
Zehn Menschen im Team entdecken unabhängig voneinander zehnmal, wie man denselben KI-Task halbwegs gut formuliert.
Das ist auch eine Form von Lernen.
Effizienter wäre wahrscheinlich, die funktionierenden Prompts, Beispiele und Grenzen irgendwann miteinander zu teilen.
Team bekommt Copilot.
Person A baut Workflows.
Person B lässt Mails umformulieren.
Person C weiß nicht, wo der Button ist.
Tool ausgerollt. Nutzung erfolgreich individualisiert.
Neuer Kollege im Team:
antwortet sofort, macht keine Mittagspause und erfindet bei Unsicherheit einfach etwas.
Hat sich erstaunlich schnell integriert.
Ich merke bei KI, dass eine andere Fähigkeit wichtiger wird: erkennen, ob ein Ergebnis wirklich gut ist.
Einen brauchbar klingenden Text bekommt man schnell. Schwieriger ist zu sehen, wo er zu allgemein ist, etwas voraussetzt oder selbstbewusst eine falsche Abkürzung nimmt.
Vielleicht wird gutes Urteilen wichtiger, je leichter gutes Formulieren wird.
Bei uns hat sich inzwischen ein neuer Satz eingeschlichen:
„Ich hab mal Copilot gefragt.“
Manchmal kommt danach tatsächlich eine gute Lösung. Manchmal sitzen fünf Leute da und diskutieren zehn Minuten darüber, warum die Antwort nicht funktionieren kann.
Interessant finde ich, dass KI damit fast wie eine sechste Person im Meeting behandelt wird, nur dass sie sich nie selbst verteidigen muss.
Vor einem Jahr hätte ich diesen Satz im Büro wahrscheinlich ziemlich seltsam gefunden.
„Die KI hat das so geschrieben“ ist im Arbeitsalltag keine besonders nützliche Fehlerursache.
Wenn ein Text, eine Analyse oder Code unter dem eigenen Namen weitergeht, braucht es weiterhin jemanden, der dafür einsteht.
Das Werkzeug kann Arbeit übernehmen.
Verantwortung lässt sich deutlich schlechter copy-pasten.
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