Was mich an Verspätungen am meisten nervt, sind gar nicht immer die 20 oder 30 Minuten.
Es ist dieses Zwischenstadium aus „+5“, dann „+10“, dann wieder „+5“, während man am Gleis steht und nicht weiß, ob man noch schnell einen Kaffee holen kann.
Entweder ich komme zu spät oder ich komme pünktlich. Dieses ständige Hoffen dazwischen macht mich fertiger als die Verspätung selbst.
Bei wichtigen Terminen nehme ich bei der Bahn lieber einen Zug zu früh. Acht Minuten Umstiegszeit fühlen sich für mich auch nicht mehr wie eine Verbindung an, sondern eher wie eine Wette.
Letzte Woche hatte mein ICE zwölf Minuten Verspätung und ich war tatsächlich kurz positiv überrascht.
Das sagt wahrscheinlich mehr über meine Erwartungen als über die zwölf Minuten.
Ich beschwere mich wirklich oft über die Bahn und trotzdem habe ich für Strecken von drei, vier Stunden meistens lieber einen Zug als ein Auto.
Im Zug kann ich lesen, schlafen oder eine Stunde völlig sinnlos aus dem Fenster schauen. Im Auto muss ich vier Stunden lang Auto fahren.
Das macht es fast noch ärgerlicher, wenn die Bahn nicht funktioniert: Ich will sie ja eigentlich mögen.
Bei der Bahn lese ich „Ankunft 8:42“ inzwischen eher als Absichtserklärung.
Ich hatte letztens eine Verbindung, bei der wegen einer Störung wirklich alles schiefging. Anschluss weg, anderer Zug voll, am Ende fast eine Stunde später da.
Und trotzdem war die Fahrt irgendwie weniger nervig als manche mit 15 Minuten Verspätung, weil die Zugbegleiterin einfach klar gesagt hat, was los ist und welche Verbindung wir nehmen können.
Man hält erstaunlich viel aus, wenn man wenigstens weiß, woran man ist.
Ich habe mir irgendwann angewöhnt, vor längeren Bahnfahrten nicht nur die Verbindung zu speichern, sondern auch schon mal zu schauen, was eine Stunde später fährt.
Nicht besonders optimistisch, aber erstaunlich beruhigend.
Seitdem sitze ich bei zehn Minuten Verspätung wenigstens nicht mehr da und rechne alle zwei Minuten neu aus, ob ich Gleis 4 noch irgendwie erreichen kann.
Wenn mich jemand fragt, wann ich ankomme, sage ich bei Bahnfahrten inzwischen meistens die Uhrzeit aus der App plus ungefähr zwanzig Minuten.
Nicht mal aus Pessimismus. Ich habe einfach keine Lust mehr, um 17:04 Uhr Nachrichten zu schreiben wie „sind jetzt kurz vor Hannover, wird eher 17:26“.
Wenn ich dann doch pünktlich bin, bin ich halt überraschend früh da. Fühlt sich besser an.
Gestern 18 Minuten Verspätung.
Anschluss hatte auch 20.
Selten so effizient zu spät gewesen.
Besonders absurd finde ich Zugausfälle, bei denen der Ersatzzug am selben Bahnsteig steht, aber ungefähr halb so viele Wagen hat.
Die Verbindung existiert also technisch noch. Nur leider für deutlich weniger Menschen als vorher.
Ruhebereich.
Drei Laptops, zwei Telefonate, ein TikTok ohne Kopfhörer.
Der leiseste Teilnehmer ist der Zug.
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